Am Nachmittag des 19. März 1865 wurde die SPD (SAP) Pinneberg gegründet. In Pinneberg entstand damit die erste sozialdemokratische Gemeinde. Besucht wurde die Gründungsveranstaltung von 62 Mann. Ein größerer Besuch hätte sicher stattgefunden, wenn nicht die in der Nähe wohnenden Arbeiter das schöne Wetter für die Feldarbeit hätten nutzen müssen, ist den Gründungsunterlagen zu entnehmen.  Der bereits 1863 unter Ferdinand Lassalle (1825-1864) gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein sowie die 1869 unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei schlossen sich 1875 auf dem Gothaer Kongress zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammen. Damit verfügte Deutschland im Unterschied zu anderen europäischen Ländern über eine einheitliche sozialistische Partei.  Auf diesem Einigungskongress vertrat Heinrich Fahl Pinneberg. Die Debatte dort wurde von der versammelten Elite der deutschen Arbeiterschaft geführt. Fahl meldete sich nur einmal mit der Forderung nach Schaffung eines starken Parteiorgans zu Wort. Nach diesem Kongress wurde in Pinneberg sogar eine Fahne angeschafft. 1987 bestickten weibliche Mitglieder des Ortsverbandes die rote Seide der Fahne mit den Worten „Social Democraten Pinneberg“, 1897. Während der späteren Nazizeit wurde diese Fahne von der treuen und mutigen Genossin Selma Fischer in einer Matratze eingenäht am Ossenpadd vor der Gestapo versteckt und dadurch, wenn auch stark zerfetzt gerettet. Diese später renovierte Fahne ist heute hier als Symbol der Treue und dem Festhalten an den Traditionen Begleiter unserer Ausstellung. Von Bismarck (1815-1898) zum “Reichsfeind” gestempelt, wurde die SAP durch das Gesetz “wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie” 1878 verboten. Desgleichen wurden alle Organisationen der SAP, ihre Presse und die von ihr aufgebauten Gewerkschaften durch dieses “Sozialistengesetz” verboten, die Reichstagsfraktion jedoch blieb weiter bestehen.

Ausnahmegesetze, polizeistaatliche Unterdrückung und Terror konnten den Aufstieg der Sozialdemokratie aber auch in Pinneberg nicht verhindern. Unter dem “Sozialistengesetz” verdreifachte die Partei ihre Stimmen und erhielt 1890 bei den Reichstagswahlen mit knapp 20 Prozent erstmals die meisten der abgegebenen Stimmen. Aufgrund des Mehrheitswahlrechts, der gegen sie gerichteten Wahlbündnisse der bürgerlichen Parteien sowie der sie stark benachteiligenden Wahlkreiseinteilung erhielt sie als stimmenstärkste Partei jedoch nur 35 der 391 Mandate. Die Verfolgung unter dem “Sozialistengesetz” hinterließ in der SAP tiefe Verbitterung und machte marxistische Ideen attraktiv und populär. Nach der Nichtverlängerung des “Sozialistengesetzes” gründete sich die SAP 1890 offiziell als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) neu. Von der Verfolgung, der Ausweisung aus der Heimat, bis zum Berufsverbot war das bittere Los der Sozialdemokraten in dieser Zeit auch in Pinneberg.

Am 8. August 1878 ergänzte Landrat Voerster seinen Bericht nach Schleswig um ein „Verzeichnis der im Kreis Pinneberg vorhandenen socialistischen Vereine“ und ein „Verzeichnis der socialdemokratischen Agitatoren“, die Grundlage für spätere Ausweisungen. Genannt werden 22 Personen, darunter die Pinneberger Heinrich Fahl und Hermann Rehm. In Pinneberg eröffnete die Polizei Hermann Rehm und Heinrich Fahl am 3. Oktober 1880, sie hätten laut Ausweisungsverfügung der Regierung zu Schleswig und der Polizeibehörde Hamburg die Stadt innerhalb von 3 Tagen zu verlassen, andernfalls drohe eine Geldstrafe bis zu 1000 Mark oder Haft oder Gefängnis. Befriedigt vermerkte die Polizei am 6.11., dass Rehm am Vortage zu seinen Eltern nach Pansdorf bei Lübeck gereist sei und in Lübeck Arbeit suchen wolle. Heinrich Fahl war mittlerweile schwer erkrankt. „Wie rücksichtslos die Polizei vorging, erhellt aus dem Umstande, dass sie selbst Kranke, Krüppel und Greise auswies, Leute, die seit Jahren nichts mehr mit der Sozialdemokratie zu tun hatten. Der an schwerer Lungenkrankheit leidende Fahl hatte an dem Tag, an dem er die Ausweisungsurkunde erhielt, zum ersten Male wieder das Bett verlassen. Vor Schrecken befiel ihn ein neuer Blutsturz. Trotzdem sollte er fortgeschafft werden, und nur der Einspruch der Ärzte verhinderte es.“

Jeder Sozialdemokrat, der nach 1878 akut von Ausweisung, Verhaftung und Vernichtung seiner materiellen Existenz bedroht war, musste sich >in rechtsschänderischer, brutaler Weise vergewaltigt< fühlen. Unter Abwägung dieser Perspektiven entschieden sich viele zur Abkehr von ihrer politischen Tätigkeit, wenn nicht gar zur Abkehr von ihrer politischen Gesinnung. Zahlreiche >Marodeure und Hasenfüße< verließen die Partei. Es trennte sich die >Spreu vom Weizen, die Halben und die Lauen, die Sportsozialisten und Feiglinge verschwanden von der Bildfläche.  Einen Mann wie Hermann Molkenbuhr, der nicht zu den Letztgenannten gehörte, als Helden zu bezeichnen, wäre sicher zu hoch gegriffen. Aber er blieb in der bis dahin schwierigsten Zeit für die Sozialdemokratie seiner Gesinnung und seiner Partei treu und leistete Widerstand unter Inkaufnahme schwerster Diskriminierung  Im März 1890, noch vor dem Fall des Sozialistengesetzes am 1.10.1890, gewann Hermann Molkenbuhr in einer Stichwahl zum ersten Mal den 6. Schleswig-Holsteinischen Reichstagswahlkreis Pinneberg-Elmshorn mit 53% der Stimmen für die Sozialdemokraten.Die SPD wurde stärkste Partei im Reichstag und Pinneberg hatte sich als „rote Hochburg“ bestätigt. Das 1891 verabschiedete Erfurter Programm vertrat einen dogmatischen Marxismus, gegen den die sozialreformerische Politik der Freien Gewerkschaften sich jedoch immer stärker behauptete. Führender Theoretiker der “Revisionisten” war Eduard Bernstein.

Erbittert bekämpft wurde der Revisionismus von führenden Sozialdemokraten wie August Bebel, Karl Kautsky, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Unbeschadet des innerparteilichen Streits um die richtige Theorie war die SPD die mit Abstand mitgliederstärkste Partei vor dem Ersten Weltkrieg und stellte 1912 erstmals auch die stärkste Reichstagsfraktion. Die SPD war vor allem die Partei protestantischer und konfessionsloser Industriearbeiter, aber sie hatte auch im Mittelstand Anhänger. Keine andere Partei unterhielt im Kaiserreich ein so dichtes Organisationsnetz von Vereinen, keine andere Partei prägte das soziokulturelle Milieu ihrer Anhänger so wie die SPD das der Arbeiterschaft. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich im Reichstag eine parlamentarische Zusammenarbeit zwischen der SPD und den bürgerlichen Mitte-Links-Parteien, auf regionaler Basis hatte es bereits vorher Koalitionen gegeben.

Am 7. Februar 1892 fand in der Pinneberger Zentralhalle (Hausschild) eine Volksversammlung statt. Anschließend wählten die Versammelten dort den Schneidermeister Heinrich Preuß als Delegierten für den bevorstehenden sozialdemokratischen Provinzparteitag in Neumünster. Auf diesem Parteitag ging es vor allem um die Frauenfrage. „Die Vortragende behandelte die Lage der arbeitenden Frauen und forderte dieselben auf, die Männer in der Ausbreitung der Socialdemokratie zu unterstützen.“ Am 29.9.1893 bestätigten die Teilnehmer einer „öffentlichen Parteiversammlung“ einstimmig Heinrich Preuß als Pinneberger Vertrauensmann. Das Hamburger Echo berichtet im April 1896 von einer begeisterten Frauenveranstaltung mit der Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin in der Pinneberger Zentralhalle. Weiterhin war die Genossin und Mitbegründerin des „Zentralvereins der Fabrik- und Handarbeiterinnen“, Wilhelmine Kähler, Gastrednerin in Pinneberg.In dieser Zeit wurde das verstärkte Engagement der Frauen für die Sozialdemokratie vermerkt. So schrieb der Pinneberger Landrat Scheiff im Juni 1893 zum Ablauf der Reichstagswahlkampagne: „Eine diesmal besonders stark hervortretende Erscheinung war das Eingreifen der Frauen in die Wahlagitation.“ Dabei nannte er besonders Wilhelmine Kähler aus Wandsbek. Im August 1894 notierte Scheiff: „Ein Weiterumsichgreifen der sozialistischen Ideen namentlich auch unter der weiblichen Bevölkerung ist in der Stadt Pinneberg bemerkt worden. Im Jahre 1899 wurde im sozialdemokratischen Traditionslokal Zentralhalle die „Freie Turnerschaft Pinneberg“ in Abgrenzung zu den beiden bürgerlichen Sportvereinen gegründet. Wie vorher schon bei Friedrich Ludwig Jahn, standen auch diese Turner in Verdacht, nicht staatstreu zu sein. Deswegen war es verboten, jugendliche Mitglieder, vor allen aber Kinder, auf dem Turnplatz zu dulden. Das Verbot wurde von den Polizeikräften energisch kontrolliert und oft mussten Kinder mit brachialer Gewalt am Turnen oder Ringen gehindert werden. Auch die Mitglieder vom Athletenclub „Eiche“ waren nicht beliebt bei den Behörden.Wirt Schmidt stellte die Turngeräte und wirkte im Vorstand mit, Ernst Fliegner wurde zum Vorsitzenden gewählt. 1910 verkaufte Schmidt die Zentralhalle an C. Baumann.

Der wiederum konnte die Zentralhalle nicht halten und übernahm „Waldesruh“ an der Bahnhofstraße. Der Turnverein zog mit und konnte bald sogar eine eigene, gemietete Halle benutzen, die Baumann mit Hilfe einer Uetersener Brauerei an der Bahnhofstraße neben Bier-Schmidt erbauen ließ. Das Glück währte nicht lange, denn 1913 musste Baumann Waldesruh wieder verkaufen. Die Stadt erwarb die Turnhalle und kündigte als erstes dem Arbeiterturnverein. Der zog jetzt in sein letztes Domizil  vor dem 1. Weltkrieg, die Linde (später Schauburg) im jetzt eingemeindeten Pinnebergerdorf.  Im Jahre 1900 eskalierte in Pinneberg ein schon länger schwelender Konflikt mit neuen Frontlinien: aufgeklärtes Bürgertum und Sozialdemokratie gemeinsam gegen Landrat Scheiff, der dabei so in die Ecke gedrängt wurde, dass seine gesammelten Rechtfertigungsschriften an das Regierungspräsidium fast ein Buch füllten. Zum 15. Juli 1900 hatten sozialdemokratische Wahlvereine ein großes Volksfest in der Pinneberger „Eiche“ geplant, zu dem nach der Ankündigung des Pinneberger Wochenblattes 3.000 Teilnehmer erwartet wurden. Obwohl vom Pinneberger Bürgermeister Kosack erlaubt, verbot Scheiff die Veranstaltung, da politische Vereine keine Feste mit Damen feiern durften. Die Tanzveranstaltung fand trotzdem erfolgreich statt und Landrat Scheiff soll außer sich gewesen sein. Pinneberg hatte zu dieser Zeit 4147 Einwohner zu verzeichnen. Ernst Fliegner war 1905 erster Vorsitzender der Pinneberger SPD, gefolgt 1906 von Johannes Knaack und 1908 von Richard Köhn und später Heinrich Knuth. Der letzte Vorkriegsvorstand vom März 1914 bestand aus Otto Plettenberg als 1. Vorsitzender, Heinrich Preuß als 2. Vorsitzender, Johannes von der Heide als Schriftführer, Wilhelm Behnke als Kassierer und Maria Plettenberg als Beisitzerin.

Ernst Fliegner lud für jeden 2. Donnerstag des Monats in der „Centralhalle“ zu einer Versammlung ein, die vorab bei der Polizei angemeldet werden musste und auch unter dessen Beobachtung in Person des Polizeisergeanten Engel stand. Über den Verlauf der Versammlung führte er genaues Protokoll. „Frauenspersonen und Lehrlinge“ hatten laut Anweisung des Bürgermeisters keinen Zutritt.

Im August 1914 hatte Wilhelm II. erklärt: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“. Dabei hatte er ganz vergessen, dass er während seiner ganzen Regierungszeit nur von den „vaterlandslosen Gesellen“ gesprochen hatte, wenn von den Sozialdemokraten die Rede war. Am Vorabend des ersten Weltkrieges zählte die Sozialdemokratie über eine Million Mitglieder. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs stimmte die SPD unter dem Eindruck der nationalen Hochstimmung am 4. August 1914 im Reichstag geschlossen für die Kriegskredite zur Landesverteidigung. Allerdings hatten 14 Abgeordnete parteiintern gegen die Kredite gestimmt, sich bei der Abstimmung des Reichstags aber der Fraktionsdisziplin gebeugt. Zudem verpflichtete sich auch die SPD mit dem sogenannten Burgfrieden, für die Dauer des Krieges auf jede Auseinandersetzung mit den anderen Parteien sowie auf jegliche Agitation gegen die Reichsregierung zu verzichten.  Schon bald nach Beginn des 1. Weltkrieges wurde auch die Pinneberger Industrie auf Rüstungsprodukte umgestellt. Es gab Ausnahmegenehmigungen zur Verlängerung der Frauenarbeitszeit bei Wuppermann zur Herstellung von Heereskochgeschirr und bei Christiansen und Hell zur Bearbeitung von Geschoss- und Geschützteilen. Halb Pinneberg arbeitete in dem für damalige Verhältnisse großem Emaillierwerk Herman Wupperman und bei Wille. Mit dem Wohlergehen dieser Werke hing mehr oder minder das Wohl der Stadt ab.

Obwohl die SPD nach ihrem Programm eine Partei bleibt, die revolutionäre Veränderungen in Wirtschaft und Politik fordert, wirkt sie teilweise in den Kommunen, in manchen Ländern sowie insbesondere mittels ihrer engen Verbindungen zu den Gewerkschaften an konkreten Reformvorhaben mit. Nicht zuletzt unter dem Einfluss der Gewerkschaften entscheidet sie sich bei Ausbruch des von Deutschland maßgeblich mitverursachten Ersten Weltkrieges für die Unterstützung des Reichs in der militärischen Auseinandersetzung. Diejenigen Teile, die diesen “Burgfrieden” nicht mittragen wollen, gründen zunächst den Spartakusbund und, seit 1917, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

Während des Steckrübenwinters 1916/17 griffen im Februar 1917 auch die Hungerunruhen von Hamburg auf Pinneberg über. „Dem Vorgang in den benachbarten Großstädten folgend, hat gestern abend ein Teil der weiblichen Arbeiterbevölkerung, begünstigt durch die in den Straßen infolge des Kohlen- und Gasmangels herrschenden Dunkelheit, in der Stadt Pinneberg eine Plünderung der Bäckereien und Brotläden vorgenommen“, war in der örtlichen Zeitung nachzulesen.

Erstmals gibt es in Deutschland ein Frauenwahlrecht, das die SPD schon im Erfurter Programm 1891 gefordert hatte. Als erste Frau spricht Marie Juchacz 1919 in einem deutschen Parlament. Im Zuge der Revolution werden die Gewerkschaften endlich von der Unternehmerseite als Tarifpartner anerkannt. Friedrich Ebert wird Reichspräsident. Die SPD wird zur maßgeblichen politischen Kraft auf dem Boden der Weimarer Verfassung, die sie als demokratische Grundordnung in weiten Bereichen mitgestaltet hat.

Am linken Rand der politischen Arbeiterbewegung formiert sich an der Jahreswende 1918/19 die KPD als neue, revolutionäre Kraft. Die KPD wird, indem sie den linken Flügel der Unabhängigen Sozialdemokraten an sich bindet, zur Massenpartei und gerät bald unter den Einfluss des sowjetischen Kommunismus. Die reformorientierten Teile der USPD vereinigen sich 1922 wieder mit der Mehrheitssozialdemokratie. Scheidelinie zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten ist die Frage der Demokratie; die Kommunisten streben eine Diktatur nach sowjetischem Vorbild an.  Für die am 2. März 1919 stattfindende Neuwahl von 24 Stadtverordneten standen unter anderem Ernst Fliegner, Richard Köhn, Otto Plettenberg, von der Heide, Heinrich Boschen und Adolf Weingärtner für die Sozialdemokraten auf dem Wahlvorschlag. Am 19. März 1919 trat die erste gewählte Stadtverordnetenversammlung zusammen. Sie bestand aus 15 Sozialdemokraten und 9 Bürgerlichen.

Nach den revolutionären Unruhen, die das Deutsche Reich in den ersten Monaten nach Beendigung des Ersten Weltkriegs und der Ausrufung der Republik erschütterten, wurde am 28. Juni 1919 der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet, dessen Revision die deutsche Außenpolitik fortan bestimmte.

Am 11. August 1919 trat die neue Reichsverfassung, die mit 262 zu 75 Stimmen von der Nationalversammlung verabschiedet worden war, in Kraft. Sie verankerte die erste parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich. Träger der politischen Macht waren die Parteien. Begleitet vom schleichenden Niedergang des Liberalismus war die innenpolitische Entwicklung der Weimarer Republik durch eine Radikalisierung von rechts und links gekennzeichnet. Auch die mit der Abdankung Wilhelms II. zusammengebrochene Monarchie verfügte über eine noch zahlenmäßig starke Anhängerschaft. Die weitverbreitete Geringschätzung des Parlamentarismus ließ die Weimarer Republik als “Demokratie ohne Demokraten” erscheinen.

Bei den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920, die als “Abmachung” zur Beendigung des Lüttwitz-Kapp-Putsches anberaumt wurden, verlor die Weimarer Koalition aus Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD), Zentrum und linksliberaler Deutscher Demokratischer Partei (DDP) ihre bisherige Mehrheit. Dies war ein deutliches Zeichen für die Unzufriedenheit weiter Kreise der Bevölkerung mit der jungen parlamentarischen Demokratie.  Am 19. August 1923 wird der Sozialdemokrat Wilhelm Burmeister zum Bürgermeister gewählt und am 5. Oktober vom Regierungspräsidenten bestätigt. 1925 gründen die Genossinnen Emilie Helm und Anna Ipsen die Arbeiterwohlfahrt Pinneberg sowie eine Nähstube. Die Aufgaben der AWO waren zu der Zeit vor allen Dingen die Einrichtung von Nähstuben, dort wurde gebrauchte Kleidung ausgebessert und an die Armen verschenkt. 1936 wurde die AWO von den Nazis verboten und erst 1946 rief der spätere Bürgermeister Köhn die AWO wieder ins Leben.

Am 6. Juli 1928 rückte als Nachfolger für Richard Köhn, der als Stadtrat gewählt wurde, Willi Wulf nach. 1928, nach ihrem Wahlsieg, bildete die SPD noch einmal im Reich eine Koalitionsregierung unter der Führung des sozialdemokratischen Reichskanzlers Hermann Müller. Das Ende des letzten parlamentarisch regierenden Reichskabinetts – an dem sich SPD, Zentrum, DDP und DVP beteiligten – kam 1930.  Am 15. Juni 1929 verstarb der verdiente Pinneberger Genosse Ernst Fliegner im Alter von 72 Jahren. Die Weltwirtschaftskrise hatte 1929 Deutschland fest im Griff. In einer Zeit, in der Pinneberg durch die Eingemeindung Thesdorfs 9546 Einwohner hatte und am 29. Dezember unter anderem auch die neugewählten Stadträte Johannes von der Heide und Richard Köhn in ihr Amt eingeführt wurden.

Mit dem Hereinbrechen der Weltwirtschaftskrise ab 1930 erstarken die extremen Kräfte in der deutschen Politik. Die Arbeitslosigkeit nimmt ein nie gekanntes Ausmaß an. Begünstigt durch konservative und reaktionäre politische Kreise, die bis weit in das bürgerliche Parteienspektrum hineinreichen, gewinnt die extreme Rechte in der Hitler-Bewegung ungemein an Einfluss. Die anhaltende Spaltung der deutschen politischen Arbeiterbewegung, die sich alltäglich in scharfen Auseinandersetzungen dokumentiert, begünstigt diesen Aufstieg, verursacht ihn aber nicht. Ende Januar 1933 wird Hitler Reichskanzler. Der Terror der Nationalsozialisten gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, später auch gegen bürgerliche Kräfte, setzt ein. In der Abstimmung im Reichstag über das Ermächtigungsgesetz, mit dem alle bürgerlichen Parteien Hitler formell zum Diktator machen, bäumt sich die deutsche Sozialdemokratie als einzige politische Kraft gegen diese furchtbare Entwicklung auf.

Am 23. März 1933 war es ein letztes Mal möglich, sich im Reichstag zur Demokratie zu bekennen. Am 22. Juni 1933 erging das Verbot der SPD. Im Oktober 1933 wurden die letzten Sozialdemokraten aus dem Pinneberger Rathaus verjagt. Unter ihnen der bekannte Sozialdemokrat und Nachkriegsbürgermeister Richard Köhn sowie Johannes von der Heide, Heinrich Sellmann und der Maurer Wilhelm Wulf, die bereits seit Mai ohne Stimmrecht waren.Viele Pinneberger Sozialdemokraten hatten unter der Hitlerdiktatur zu leiden. Am 12. November 1933 fand die erste Reichstagswahl und Volksabstimmung nach der Machtübernahme statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent stimmten von 7351 Wahlberechtigten Pinnebergern 6242 mit Ja, 881 mit Nein und 228 Stimmen waren ungültig.

In den Morgenstunden des 23. August 1944 verhafteten Pinneberger Polizisten unter Beteiligung des NSDAP-Ortsgruppenleiters Alfred Krömer im Auftrage der Gestapo Heinrich Boschen, Olga Geick, Emilie Helm, Anna Ipsen, Richard Köhn, Heinrich Lempfert, Peter Lohmann und Wilhelm Schmidt. Alle waren ehemalige Stadtverordnete der SPD oder KPD. Wilhelm Schmidt, Mitglied seit 1928, starb am 3. Mai 1945 nach seiner Internierung im Konzentrationslager Neuengamme an Bord des Häftlingsschiffes „Cap Arcona“, das britische Bomberbesatzungen versehentlich auf der Ostsee versenkten. Heinrich Boschen, Mitglied seit 1906, erlag am 4. Oktober 1944 den Folgen der Haftbedingungen in Neuengamme.   Am 30.04.1945 nehmen die Sowjets das Reichstagsgebäude ein; Adolf Hitler, seine kurz vorher noch im kleinen Kreis geehelichte Frau Eva Braun, Joseph Goebbels samt Familie, verüben Selbstmord. Am 5. Juni 1945 übernimmt ein Alliierter Kontrollrat die Regierungsgewalt über das in Stücke geschlagene Deutschland.

1939, bei Ausbruch des Krieges hatte Pinneberg 13.500 Einwohner. 1945, durch Zuzug von Vertriebenen 26.000. Wohnungen gab es nur für 13.500. Eine Situation, die für viele Pinneberger heute kaum denkbar erscheint.

Die Zerstörung Deutschlands durch die nationalsozialistische Diktatur führt am 8. Mai 1945 in die bedingungslose Kapitulation und in die Aufteilung des Deutschen Reichs in Besatzungszonen. Unter Kurt Schumacher, der eine Vereinigung mit den Kommunisten kategorisch ablehnt, formiert sich in den Westzonen die SPD als eine demokratisch-sozialistische Volkspartei, die eine Öffnung zu den Mittelschichten anstrebt. Am 5. Juni 1945 übernimmt ein Alliierter Kontrollrat die Regierungsgewalt über das in Stücke geschlagene Deutschland.  Die Militärregierung hatte im Herbst 1945 29 Bürger Pinnebergs, die vor 1933 politisch tätig waren, und denen man demokratisches Verhalten zutraute, ernannt und aus ihnen eine Art Stadtvertretung gemacht, die aber nur wenig Rechte hatte. Im Dezember wählte diese Stadtvertretung den Pensionär Richard Köhn, der schon vor 1933 als Stadtrat unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister Wilhelm Burmeister tätig war und den die Nazis entlassen hatten, zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Im September 1946 trauten die Engländer auch den Pinnebergern eine eigene demokratische Entscheidung zu. Nach einem interessanten Wahlkampf, der aber unter dem Papiermangel und den Fehlen von Tageszeitungen litt, entschied sich die Bevölkerung eindeutig für eine sozialdemokratische Mehrheit. Eine Mehrheit, die aber nur die undankbare Aufgabe hatte, den Schutt des Krieges wegzuräumen und die Not zu verwalten.Die ersten gewählten Mitglieder der Stadtverwaltung waren:

Die Sozialdemokraten Richard Köhn, Pensionär / Hermann Bohnemann, Werkmeister / Heinrich Lempfert, Lagerhalter / Heinrich Sellmann, Gewerkschaftssekretär / Willi Wulf, Maurer / Emilie Helm, Hausfrau / Emma Bohnemann, Hausfrau / Ernst Falkenstein, Arbeiter / Walter Richter, Schriftsetzer / Hermann Schulz, Tischler / Albert Senf, Fuhrunternehmer / Alfred Hohmann, Telegraphenmitarbeiter / Heinrich Brammer, Rektor / Wilhelm Hochreiter, Zimmerer.

Von der FDP: Helmut Meyer, Bankdirektor / Dr. Otto Wenzel, Rechtsanwalt / Dr. Hugo Binné, Fabrikant / Martha Strupp, Hausfrau / Richard Habedank, Prokurist / Julius Leppien, Fabrikant . Von der CDU: Dr. Georg Boyksen, Chefarzt / Ernst Brüggen, Schlachtermeister / Paul Christiansen, Buchdruckereibesitzer. Von der KPD: Georg Tronier, Rentner. Durch das englische Wahlsystem hatte jeder Wähler 3 Stimmen. Daher wurden von 11236 Stimmberechtigten 26611 Stimmen abgegeben. Davon enthielten:

SPD 11077 Stimmen = 41,62 %

FDP 8393 Stimmen = 31,30 %

CDU 4923 Stimmen = 18,50 %

KPD 2282 Stimmen = 8,58 %

Am Freitag, den 27. September 1946, wurde Richard Köhn mit 23 Stimmen – Herr Brüggen von der CDU fehlte, – zum Bürgermeister gewählt. Zu den Frauen der „ersten Stunde“ zählten Emma Bohnemann, Emilie Helm und Alice Larm.

Emma Bohnemann war von 1946 bis 1970 Mitglied der Pinneberger Ratsversammlung. Sie war Mitglied im Schulausschuss und in der Kommission für Wirtschafts- und Ernährungsfragen. Während dieser 24 Jahre gehörte sie außerdem dem Kreistag an. Später arbeitete sie viele Jahre im Fürsorgeausschuss. Emma Bohnemann engagierte sich auch in der Frauenpolitik. Sie war Vorsitzende der SPD-Frauengruppe der Stadt von 1946-1965. Nach dem Tode ihres Mannes 1965 übernahm sie auch noch den Posten der Hauptkassiererin der SPD. 35 Jahre lang war sie Vorstandsmitglied in der Pinneberger SPD, 1976 wurde sie zur Ehrenvorsitzenden gewählt. 1993 ist Emma Bohnemann gestorben.

Emilie Helm kandidierte erstmals 1933 bei der Kommunalwahl. Im Nachrückverfahren wurde sie Stadtverordnete. Im selben Jahr wurde sie zur 1. Vorsitzenden der Sozialistischen Frauengruppe gewählt. Ihre politische Karriere war allerdings mit der Machtergreifung der Nazis abrupt zu Ende. Am 23.8.1944 wurde sie im Zuge der Aktion „Gewitter“ verhaftet und kam wie viele Sozialdemokraten, in Schutzhaft nach Kiel. Sie erkrankte während der Gefängniszeit an einem Herzleiden. Emilie Helm ist 1975 gestorben.Alice Larm war nicht nur politisch aktiv, sondern auch dem Sport stark verbunden. 1924 trat sie in die SPD ein, und nach dem II. Weltkrieg gehörte sie der Ratsversammlung von 1948-1955 und von 1966-1967 an. Bekannt war sie durch ihre Tätigkeit als Hausmeisterin in der Ernst Paasch Halle an der Lindenstraße. Erst mit 90 Jahren konnte sie dazu bewogen werden, dieses Amt aufzugeben. Sie verstarb im Jahr 2000. Bereits am 11. Januar 1946 fand die konstituierende Sitzung des Pinneberger Kreistages statt. Es war ein Beschluss über das künftige Kreiswappen und die Nominierung des Landrates vorgesehen. Das neue Kreiswappen erhielt anstelle der alten Grafenkrone ein Nesselblatt mit einer stilisierten Baumschulpflanze. Der Entwurf wurde von A. Paul Weber gefertigt und blieb bis heute unverändert. Landrat wurde Walter Damm. Die zweite Wahl zum Gemeindeparlament fand am 24. Oktober 1948 statt. In Stimmenzahlen ausgedrückt lautete das Wahlergebnis:

SPD                  4923

CDU                  2602

FDP                  2174

KPD                    524

Parteilose            914

Gewählt wurde zum erstenmal nach der neuen Deutschen Gemeindeordnung. In direkter Wahl und über die Liste gingen 13 Mandate an die SPD, 6 an die CDU und 5 an die FDP.

Bürgermeister und damit Vorsitzender der Gemeindevertretung blieb Richard Köhn. Stadtdirektor und damit Leitender Verwaltungsbeamter war Herr Ludwig Duncker.

949 entstehen die Bundesrepublik Deutschland und die DDR; am Bonner Grundgesetz, das in den Verfassungsberatungen des Parlamentarischen Rats vorbereitet wurde, haben Sozialdemokraten, allen voran Carlo Schmid, maßgeblich mitgewirkt. Die SPD erreicht im Westen bei den ersten Wahlen zum Deutschen Bundestag 29,2 Prozent der Stimmen. Mit ganz knapper Mehrheit kann die CDU die Führung der jungen Republik übernehmen, während die SPD sich in der Rolle der “konstruktiven Opposition” sieht.Als Oppositionspartei im Bundestag gewinnt die SPD in den 1950er Jahren immer stärkeren Einfluss in den Städten und Ländern. Außenpolitisch zunächst von dem Vorrang der Wiedervereinigung geleitet, lehnt sie – obgleich prinzipiell proeuropäisch orientiert – Adenauers Westpolitik ab. Sie bejaht die Römischen Verträge und schwenkt Ende der 50er Jahre auf den Kurs der Westintegration ein, ohne das Ziel der Wiedervereinigung aus den Augen zu verlieren.  Am Montag, dem 24. April 1950 kam die Stadtvertretung zu einer wichtigen Sitzung zusammen, in der Bürgermeister und Bürgervorsteher gewählt werden sollten. Mit 22 Stimmen bei einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme wurde der bisherige Stadtdirektor Henry Glissmann zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt, zum Bürgervorsteher einstimmig der bisherige Stadtrat Willi Wulf (SPD). Am 29. April 1951 wurde die dritte Stadtvertretung gewählt. Von 12269 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf die

SPD                  4938     / 15 Mandate

DW                   3774     /   8 Mandate

BHE                  3126     /   4 Mandate

KPD                    431     /   kein Mandat

CDU und FDP hatten sich zum Deutschen Wahlblock (DW) zusammengeschlossen, um dadurch die SPD-Mehrheit zu beseitigen. Die Flüchtlinge, die sich in der Zwischenzeit zum Bund der Heimatvertriebenen und Entrechten (BHE) zusammengeschlossen und anscheinend bisher die bürgerlichen Parteien gewählt hatten, verhinderten es. Für die SPD kamen Alfred Hohmann, Heinz Lange, Gertrud Plettenberg und Emil Wulf neu in die Stadtvertretung.

„Eine Mittelstadt im Aufschwung“ war die Überschrift einer Wahlzeitung der Pinneberger SPD zur Kommunalwahl am 24. April 1955. Die Richard-Köhn-Straße, Mühlenstraße und Bismarckstraße bekamen Kanalisation, war dort nachzulesen. Weiter wurde hier erwähnt, dass die Turnhalle in der Lindenstraße mit Brausebad und Umziehraum ausgerüstet wurde und die Mittelschule sogar mit Toiletten und Heizung versorgt wurde. Ein wahrer Fortschritt und Luxus in der damaligen Zeit.Nachzulesen war auch, dass der Fahlt kurz davor stand, als Baugelände umfunktioniert zu werden. Nur mit vereinten Kräften konnte es gerade noch so verhindert werden. Bei der Wahl zur Stadtvertretung am 25.10.1959 entfielen auf die Sozialdemokraten 46,3 % der Stimmen. Das Bündnis CDU/FDP erhielt 44,3 % und 7,2 % bekam der BHE. Die konstituierende Sitzung findet am 13. November statt und wird von dem bisherigen Bürgervorsteher Willi Wulf geleitet. Dieser wird auch einstimmig zum vierten Male wiedergewählt. Als Stadträte werden von der SPD vorgeschlagen und gewählt: Hermann Bohnemann, Johannes Thies, Walter Richter und der Ortsvereinsvorsitzende Heinz Lange. Von der CDU: Heinrich Goldschmidt, Otto Kraft und Adolf Meier sowie Harry Schmidt für die FDP. Die SPD verabschiedet 1959 nach einem längeren kontroversen Diskussionsprozess das Godesberger Grundsatzprogramm und öffnet sich damit endgültig zur Volkspartei. Sie gewinnt breite Wählerschichten hinzu, nicht zuletzt aus kirchlich gebundenen Kreisen. Willy Brandt und Herbert Wehner führen die Partei in die Regierungsverantwortung – zunächst ab 1966 im Rahmen einer Großen Koalition mit der CDU, seit 1969 in einer sozial-liberalen Koalition mit der FDP.

In den meisten Großstädten der Bundesrepublik hat die SPD in den 1950er und 1960er Jahren das Vertrauen der Mehrheit der Wähler in der Kommunalpolitik gewonnen.

Am 16. Februar 1961 brach über Norddeutschland und so auch Pinneberg eine Flutkatastrophe ohne Beispiel herein. Vor allem die Pinnausiedlung war betroffen. Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz mussten die Bewohner bei Kälte und Dunkelheit aus ihrem meterhoch überfluteten Wohnungen mit Schlauchboten herausholen. In Hamburg und an der Küste sah es noch viel schlimmer aus. Am Freitag, den 2. Februar 1962, einen vor Henry Glissmanns 64. Geburtstag, tritt die Stadtvertretung zusammen, um die Wahl des Bürgermeisters vorzunehmen. Der Antrag der SPD-Fraktion, Bürgermeister Glissmann erneut zum Bürgermeister zu wählen, erhält in geheimer Abstimmung 21 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 4 ungültige Stimmen. Bei der Kommunalwahl am 11. März 1962 erhielt die SPD 45,6 % der Stimmen. 39,7 % entfielen auf die CDU und 11,4 % auf die FDP. Bürgervorsteher wurde traditionsgemäß zum 5. Male Willi Wulf (SPD). Es stand fest, dass Henry Glissmann mit der Vollendung seines 65. Lebensjahres Ende Februar 1963 aus seinem Amt scheiden würde. Die Fraktionen hatten rechtzeitig ihre Beratungen über seinen Nachfolger begonnen und waren sich einig darüber, die Stelle nicht auszuschreiben, sondern den bisherigen Magistratsrat Hans-Hermann Kath, der seit 1957 in der Verwaltung tätig und gut informiert war, als Nachfolger zu wählen. Die Wahl am 17. Januar 1963 war ein Selbstgänger. Er wurde einstimmig gewählt. Am 11.2.1964 wäre es am Pinneberger Bahnübergang beinahe zu einer Katastrophe gekommen, als ein Autofahrer zwischen den Schranken eingesperrt war. Der D-Zug Hamburg – Westerland konnte gerade noch in letzter Sekunde angehalten werden. SPD und die anderen Fraktionen drängten zum Bau einer Hochbrücke.

Im Mai 1964 wird der Neubau des Rathauses ausgeschrieben.

Am 30. August 1965 sprach der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin und spätere Bundeskanzler Willy Brandt vor 1400 Zuhörern im total überfüllten „Cap Polonio“ und warb für die Bundestagswahl am 19. September des Jahres. Annemarie Renger kam bei dieser Wahl als Kandidatin für den Kreis Pinneberg  über die Landesliste in den Bundestag. Bei der Kommunalwahl am 13. März 1966 erhielt die SPD 45,3 % der Stimmen. Die CDU erhielt 46,6 % und die FDP 8,1 %. Die direkt gewählten Vertreter der SPD waren: Dr. Ulrich Brand, Emma Bohnemann, Horst Hager, Uwe Damm, Heinz Plickert, Walter Richter, Heinz Lange, Hans-Joachim Worms und Gerhard Ziegler. Über die Liste kamen noch Erich Hagenah, Jan Nevermann, Ernst-Hermann Hell und Günter Lehmann.Bürgervorsteher wurde Lorenz Mungard von der CDU. Am Donnerstag, dem 7. März 1968 wurde um 11.00 Uhr die Grundsteinlegung für das Theodor-Heuss-Gymnasium durchgeführt. Der Chor sang „Wer nur den lieben langen Tag …., und irgendjemand trug das Gedicht „Dreifach ist des Raumes Maß“ vor.

Am 13. August 1969 konnte die Freigabe der Hochstraße über die Bahn mit einem großen Volksfest gefeiert werden und der Verkehr konnte erstmals ungehindert fließen. Das erste zivile Fahrzeug, das über die neue Brücke rollte, war ein moderner Kinderwagen mit dem neun Monate alten Oliver Kohse aus Pinneberg als Insasse. Die in Pinneberg gewohnte Ausrede bei Verspätungen: „Die Schranke war geschlossen“ galt nun nicht mehr.

Die Zeiten sind reif für den Aufbruch aus konservativer Erstarrung und für Reformen und neue Wege der Friedenssicherung und Entspannung. 1969 wird Willy Brandt der erste sozial-demokratische Bundeskanzler der Nachkriegsgeschichte.  Bei der Kommunalwahl am 26. April 1970 sorgte der Wähler für klare Verhältnisse. Die SPD erhielt 15 Mandate, die CDU 14 Mandate und die FDP ging leer aus. Damit hatte die SPD zum erstenmal seit 1955 wieder die absolute Mehrheit.

Ende der 1960er Jahre kann sich die SPD zugleich an die Spitze starker Reformkräfte der westdeutschen Gesellschaft setzen, die auch von der Studentenbewegung in Gang gesetzt worden sind. 1972 erringt Willy Brandt einen überzeugenden Wahlsieg. Nach Enttarnung eines DDR-Spions im Kanzleramt übergibt er 1974 das Amt des Bundeskanzlers an Helmut Schmidt. 1970 katapultierte sich der von 1966 bis 1970 amtierende Erste Stadtrat Heinz Lange (SPD), selbst aus der Politik heraus, indem er in der Hoffnung auf ihm zugesagte Unterstützung bei der Wahl zum hauptamtlichen Stadtrat von Pinneberg voreilig auf sein Mandat als Stadtvertreter verzichtete. Als seine Fraktion wegen der finanziellen Folgelasten für die Stadt die Versprechungen nicht einlösen konnte, stand er vor der Tür und seine politische Laufbahn war vorerst zu Ende. Dieser Vorgang gehörte sicher zu den spektakulärsten Vorgängen, die die SPD in Pinneberg in den Nachkriegsjahren erschütterte und erlebte. In der Ausstellung gibt es darüber einiges mehr aus dieser Zeit und der Betrachter kann sich sein persönliches Bild machen. Wobei zu einigen Ausstellungsstücken bei Bedarf gerne Geschichtshilfe geleistet wird. Wer soll heute auch schon wissen, was die goldene Liste bedeutet und warum nur an einem Tag, am 22. Februar 1974, 93 Pinneberger Mitglieder ihren Austritt erklärt haben.

Im Jahr 1973 setzte sich die Ratsversammlung aus 15 Ratsherren der SPD, 12 Ratsherren der CDU und 2 Ratsherren der Unabhängigen Fraktion zusammen, die sich von der CDU getrennt hatten. Am 12. April schied der Ratsherr Roland Lange wegen Fortzug aus und Ingrid Damm rückte nach. Als 1. Stellvertreter des Bürgervorstehers wurde Ratsherr Artur Lontzek (CDU) gewählt.

Am 25. Februar 1974 lautete die Überschrift im Pinneberger Tageblatt: „Studierende Mutter an der Spitze der Pinneberger SPD.“ Monika Piwon will die Parteiorganisation solidarisieren und politisieren war zu lesen. Gewählt wurde die 33 jährige mit 100 Ja-Stimmen zur Nachfolgerin von Heinz Lange. Einige waren damals noch nicht so ganz reif für Frauen-Power und konnten ihr wohl nicht zutrauen, Studentin, Hausfrau, Mutter dreier Kinder und Ortsvereinsvorsitzende zu sein. Diese Gegenstimmen und Enthaltungen wurden später eines besseren belehrt. Zweiter Vorsitzender wurde Hartmuth Wrocklage. Am 24 März 1974 fand eine Gemeindewahl statt, die vor allem in Pinneberg deutlich aufzeigte, dass der Wähler für die Probleme und der Situation der Pinneberger SPD kein Verständnis hatte. Die SPD rutschte von 50,39 % ab auf 29,03 % der Wählerstimmen ab und kam nur noch auf 10 Sitze. Alle 19 Wahlbezirke in der Stadt waren von der CDU direkt geholt worden. Am 17. März 1976 wurde Hartmuth Wrocklage neuer Vorsitzender der SPD. Er wurde Nachfolger von Monika Piwon, die ihren Wohnsitz nach Hamburg verlagerte. Der neue Parteichef forderte seine Parteifreunde auf, Flagge zu zeigen und ohne Scheuklappen mit dem Bürger zu diskutieren.  1978 setzt sich die Pinneberger Ratsversammlung aus 16 Mitgliedern der CDU, 14 der SPD, 2 des PBB, 2 der FDP und einen parteilosen zusammen.

Am 15. März 1978 wird Dieter Tietz zum Fraktionsvorsitzenden der SPD-Ratsfraktion gewählt. Seitdem führt er dieses Amt ununterbrochen.

1979 wird Horst Hager Nachfolger von Hartmuth Wrocklage im Amt des Vorsitzenden. Im September 1982 wird in einer turbulenten Mitgliederversammlung  der SPD im Hotel Cap Polonio heftig über die Westumgehung gestritten. Nach einer mehr als dreistündigen, teilweise heftig geführten Diskussion um das 31,3 Millionen-Mark-Projekt, stimmten während einer von 69 Mitgliedern besuchten Versammlung 28 Genossen gegen den Bau der Pinneberger Umgehungsstraße und für deren Streichung aus dem Wahlprogramm. Unter ihnen auch der ehemalige Landrat Winfried Hebisch, der sich als „Westumgehungs-Skeptiker“ bezeichnete. Am 1. September 1983 ruft der Ortsverein gemeinsam mit dem DGB zu einer Kundgebung mit Günter Jansen zum Antikriegstag im Drosteipark auf. Innerhalb kurzer Zeit sammelte die SPD 1700 Unterschriften zum Thema „Atomwaffenfreie Zone Pinneberg“. Die erfolgreiche Aktion soll mit einer Unterschriftensammlung von Tür zu Tür weitergeführt werden.  Am 20.9.1983 hat der Vorstand die Fraktion gebeten, eine Versetzung des Gedenksteines an einen günstigeren Platz in der Stadt mit Nachdruck zu fordern. Außerdem sollen Straßenbezeichnungen nach Widerstandskämpfern erreicht werden 1984 wird Lutz Glandt als Nachfolger von Horst Hager Ortsvereinsvorsitzender.

Pfingsten 1986 wählten die 436 Mitglieder des Pinneberger Ortsvereins den 39 Jahre alten Herbert Hoffmann ohne Gegenstimme zum neuen Vorsitzenden. Er tritt die Nachfolge von Lutz Glandt an, der aus beruflichen Gründen seinen Rücktritt angekündigt hatte.

1982 verlässt die FDP die sozialliberale Koalition und verschafft den Unionsparteien die Mehrheit in Bonn. Die SPD wird auf die Rolle der Opposition zurückgeworfen und beginnt einen anhaltenden Prozess programmatischer Erneuerung, in dem sie ihre Rolle als demokratische Partei in einem hochentwickelten Industrieland neu definiert und Antworten auf die Herausforderungen durch die neuen sozialen Bewegungen formuliert. Als politische Kraft erstarkt sie in den Landtagen und übernimmt Regierungsverantwortung in der Mehrheit der Länder. Obwohl 1987 Willy Brandt den Vorsitz der Partei in die Hände von Hans-Jochen Vogel übergibt, bleibt seine Stimme in der Politik von Gewicht. Sie wird besonders deutlich gehört, als 1989 die Berliner Mauer fällt – “Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört” -, die kommunistischen Diktaturen zusammenbrechen und die beiden deutschen Staaten vereinigt werden können.  1989 wird in Berlin ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet, das die Ergebnisse der gesellschaftlichen und innerparteilichen Diskussion zur sozialen und ökologischen Erneuerung der Industriegesellschaft bündelt. Am 17. Januar 1990 erlag Bürgermeister Hans-Hermann Kath um 5 Uhr im Harburger Krankenhaus einem Herzversagen. Der Verwaltungschef war, vom Tage seines Todes an zurückgerechnet, vor genau 27 Jahren zum Bürgermeister der Kreisstadt gewählt worden. Er hinterlässt nicht nur im Rathaus eine große Lücke. Der Erste Stadtrat Herbert Hoffmann übernimmt die Amtsgeschäfte.

Am 27.März 1990 schreibt die Pinneberger Zeitung; „Zu viele Direktmandate: Pinneberger SPD ohne Hoffmann und Nevermann“. Der Grund: Weder der wieder als Bürgervorsteher vorgesehene SPD-Grand-Seigneur Jan Nevermann, noch der agile Erste Stadtrat und amtierende Bürgermeister Herbert Hoffmann sind in der neuen Ratsversammlung vertreten. Beide kandidierten in je einem der insgesamt drei pechschwarzen Wahlkreise, welche die SPD anders als die restlichen 16 nicht gewinnen konnte. Da wegen der hohen Direkt-Erfolge die SPD-Liste nicht zum Zuge kam, haben Hoffmann und Nevermann das Nachsehen.

Am 26. April 1990 wird Bruno Möwius einstimmig zum Bürgervorsteher gewählt und löst damit Jan Nevermann ab. Erster Stadtrat wird der spätere Landtagsabgeordnete Bernd Schröder. Die Ernennungsurkunden wurden durch den scheidenden Ersten Stadtrat, Herbert Hoffmann überreicht. Nach einer Phase, in der die Sozialdemokratie ihre Position in den Ländern ausbaut, doch bundespolitisch in der Opposition bleibt, werden “Innovation und Gerechtigkeit” die Leitbegriffe, unter denen die SPD unter der Führung von Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder die Bundestagswahl am 27. September 1998 gewinnt

Der neue Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Koalition aus Sozialdemokraten und Grünen nehmen sich ein ehrgeiziges Reformprogramm vor, das auf die Korrektur sozialer Ungerechtigkeiten, die Ordnung der zerrütteten Staatsfinanzen, eine umfassende Steuerreform und Investitionen in Zukunftsaufgaben zielt. Nach dem Rücktritt Oskar Lafontaines von allen seinen Ämtern wird Gerhard Schröder im April 1999 auch Parteivorsitzender. Der Berliner Parteitag im Dezember 1999 bestätigt ihn in diesem Amt und wählt Franz Müntefering zum neuen Generalsekretär der Partei. Die Pinneberger Ratsversammlung setzt sich 2005 aus 19 Mitgliedern der CDU, 10 der SPD, 4 der GAL, 2 der FDP, 2 der UfW und 2 der Bürgerlichen zusammen.

Bürgermeister ist Horst Werner Nitt.

Wir schreiben die Geschichte weiter!

Helfen Sie uns dabei. Gehen Sie wählen!

Wir würden uns freuen Ihr Vertrauen gewinnen zu können