1918-1930

Bei den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung gab es 1919 erstmals ein Frauenwahlrecht, das die SPD schon im Erfurter Programm von 1891 gefordert hatte. Als erste Frau sprach Marie Juchacz 1919 in einem deutschen Parlament. Mit Beginn der Weimarer Zeit konnten aber noch weitere Fortschritte erzielt werden. Im Zuge der Revolution wurden die Gewerkschaften endlich von der Unternehmerseite als Tarifpartner anerkannt. Friedrich Ebert wurde zum Reichspräsidenten gewählt. Die SPD wurde zur maßgeblichen politischen Kraft auf dem Boden der Weimarer Verfassung, die sie als demokratische Grundordnung in weiten Bereichen mitgestaltet hat.

Am linken Rand der politischen Arbeiterbewegung formierte sich zur Jahreswende 1918/1919 die KPD als neue, revolutionäre Kraft. Die KPD wurde, indem sie den linken Flügel der Unabhängigen Sozialdemokraten an sich band, zur Massenpartei und geriet bald unter den Einfluss des sowjetischen Kommunismus. Die reformorientierten Teile der USPD vereinigten sich 1922 wieder mit der Mehrheitssozialdemokratie. Scheidelinie zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten blieb die Demokratie – die Kommunisten streben eine Diktatur nach sowjetischem Vorbild an.

Bei der Neuwahl der 24 Stadtverordneten am 02. März 1919 standen unter anderem Ernst Fliegner, Richard Köhn, Otto Plettenberg, Johannes von der Heide, Heinrich Boschen und Adolf Weingärtner für die Sozialdemokraten auf dem Wahlvorschlag. Am 19. März 1919 trat die erste gewählte Stadtverordnetenversammlung zusammen. Sie bestand aus fünfzehn Sozialdemokraten und neun Bürgerlichen.

Nach den revolutionären Unruhen, die das Deutsche Reich in den ersten Monaten nach Beendigung des Ersten Weltkriegs und der Ausrufung der Republik erschütterten, wurde am 28. Juni 1919 der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet, dessen Revision die deutsche Außenpolitik fortan bestimmte. Am 11. August 1919 trat die neue Reichsverfassung, die mit 262 zu 75 Stimmen von der Nationalversammlung verabschiedet worden war, in Kraft. Sie verankerte die erste parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich. Träger der politischen Macht waren die Parteien. Begleitet vom schleichenden Niedergang des Liberalismus war die innenpolitische Entwicklung der Weimarer Republik durch eine Radikalisierung von rechts und links gekennzeichnet. Auch die mit der Abdankung Wilhelms II. zusammengebrochene Monarchie verfügte über eine noch zahlenmäßig starke Anhängerschaft. Die weitverbreitete Geringschätzung des Parlamentarismus ließ die Weimarer Republik als "Demokratie ohne Demokraten" erscheinen.

Bei den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920, die als "Abmachung" zur Beendigung des Lüttwitz-Kapp-Putsches anberaumt wurden, verlor die Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und linksliberaler Deutscher Demokratischer Partei (DDP) ihre bisherige Mehrheit. Dies war ein deutliches Zeichen für die Unzufriedenheit weiter Kreise der Bevölkerung mit der jungen parlamentarischen Demokratie.

In Pinneberg wurde der Sozialdemokrat Wilhelm Burmeister am 19. August 1923 zum Bürgermeister gewählt und am 5. Oktober vom Regierungspräsidenten bestätigt.

1925 gründeten die Genossinnen Emilie Helm und Anna Ipsen die Arbeiterwohlfahrt Pinneberg sowie eine Nähstube. Die Aufgaben der AWO waren zu der Zeit vor allen Dingen die Einrichtung von Nähstuben – dort wurde gebrauchte Kleidung ausgebessert und an die Armen verschenkt. 1936 wurde die AWO von den Nazis verboten. Erst 1946 sollte die Arbeiterwohlfahrt vom späteren Bürgermeister Richard Köhn wieder ins Leben.

Am 6. Juli 1928 rückte als Nachfolger für den Stadtverordneten Richard Köhn, der zum Stadtrat gewählt wurde, Willi Wulf nach.

1928, nach ihrem Wahlsieg, bildete die SPD im Reich noch einmal eine Koalitionsregierung unter der Führung des sozialdemokratischen Reichskanzlers Hermann Müller. Das Ende des letzten parlamentarisch regierenden Reichskabinetts – an dem sich SPD, Zentrum, DDP und DVP beteiligten – kam 1930. 

Am 15. Juni 1929 verstarb der verdiente Pinneberger Genosse Ernst Fliegner im Alter von 72 Jahren.

Die Weltwirtschaftskrise hatte 1929 Deutschland fest im Griff. Zu dieser Zeit hatte Pinneberg durch die Eingemeindung Thesdorfs 9546 Einwohner. Am 29. Dezember 1929 wurden die neugewählten Stadträte Johannes von der Heide und Richard Köhn in ihr Amt eingeführt wurden.

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