1930-1945

Mit dem Hereinbrechen der Weltwirtschaftskrise erstarkten die extremen Kräfte in der deutschen Politik. Die Arbeitslosigkeit nahm zu diesem Zeitpunkt ein nie gekanntes Ausmaß an. Begünstigt durch konservative und reaktionäre politische Kreise, die bis weit in das bürgerliche Parteienspektrum hineinreichten, gewann die extreme Rechte in der Hitler-Bewegung ungemein an Einfluss. Die anhaltende Spaltung der deutschen politischen Arbeiterbewegung, die sich alltäglich in scharfen Auseinandersetzungen dokumentierte, begünstigte diesen Aufstieg, verursachte ihn aber nicht.

Am 30. Januar 1933 wird Hitler Reichskanzler. Der Terror der Nationalsozialisten gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, später auch gegen bürgerliche Kräfte, setzt ein. In der Abstimmung im Reichstag über das Ermächtigungsgesetz, mit dem alle bürgerlichen Parteien Hitler formell zum Diktator machen, bäumt sich die deutsche Sozialdemokratie als einzige politische Kraft gegen diese furchtbare Entwicklung auf.

Am 23. März 1933 war es ein letztes Mal möglich, sich im Reichstag zur Demokratie zu bekennen. Am 22. Juni 1933 erging das Verbot der SPD.

Im Oktober 1933 wurden die letzten Sozialdemokraten aus dem Pinneberger Rathaus verjagt. Unter ihnen der bekannte Sozialdemokrat und Nachkriegsbürgermeister Richard Köhn sowie Johannes von der Heide, Heinrich Sellmann und der Maurer Wilhelm Wulf, die bereits seit Mai ohne Stimmrecht waren. Viele Pinneberger Sozialdemokraten hatten unter der Hitlerdiktatur zu leiden.

Am 12. November 1933 fand die erste Reichstagswahl und Volksabstimmung nach der Machtübernahme statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent stimmten von 7351 Wahlberechtigten Pinnebergern 6242 mit Ja, 881 mit Nein und 228 Stimmen waren ungültig.

In den Morgenstunden des 23. August 1944 verhafteten Pinneberger Polizisten unter Beteiligung des NSDAP-Ortsgruppenleiters Alfred Krömer im Auftrage der Gestapo Heinrich Boschen, Olga Geick, Emilie Helm, Anna Ipsen, Richard Köhn, Heinrich Lempfert, Peter Lohmann und Wilhelm Schmidt. Alle waren ehemalige Stadtverordnete der SPD oder KPD.

Wilhelm Schmidt, Mitglied seit 1928, starb am 3. Mai 1945 nach seiner Internierung im Konzentrationslager Neuengamme an Bord des Häftlingsschiffes „Cap Arcona“, das britische Bomberbesatzungen versehentlich auf der Ostsee versenkten. Heinrich Boschen, Mitglied seit 1906, erlag am 4. Oktober 1944 den Folgen der Haftbedingungen in Neuengamme.

Am 30. April 1945 nahmen die Sowjets das Reichstagsgebäude ein. Adolf Hitler und seine kurz vorher noch im kleinen Kreis geehelichte Frau Eva Braun und auch Joseph Goebbels samt Familie verübten Selbstmord.

Am 5. Juni 1945 übernimmt ein Alliierter Kontrollrat die Regierungsgewalt über das in Stücke geschlagene Deutschland.

1939, bei Ausbruch des Krieges hatte Pinneberg 13.500 Einwohner. 1945, durch Zuzug von Vertriebenen 26.000. Wohnungen gab es nur für 13.500. Eine Situation, die für viele Pinneberger heute kaum denkbar erscheint.

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